Der erste Band der Neraval Sage „Das Gefälschte Siegel von Maja Ilisch“ wurde mir zur Rezension vom vorablesen.de  Team als Gewinn zugeschickt. Danke! Außerdem hatte ich das Vergnügen, zusätzlich an der Leserunde mit Autorin Maja Ilisch auf Lovelybooks teilzunehmen. Der Austausch war einfach toll und ein extra Bonbon für Fans sind die kleinen Hintergrundinfos zu Buch und Charakteren, die sonst nirgends auftauchen. Auch mal schnuppern?

Einleitungszitat

Ja, da liegts,

Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen,

Wenn wir die irdische Verstrickung lösten,

Das zwingt uns stillzustehen.

(William Shakespeare, Hamlet; dt. Übersetzung von A. W. v. Schlegel)

Der Plot

Mit dem ersten Teil der Neraval-Sage leitet Maja Ilisch eine fantastische Fantasy – Sage rund um das Königreich Neraval („Neuaufbau“) ein. Neubau, wie Neraval in ihrer Sprache bedeutet, wurde auf den Ruinen des vom gefürchteten Erzdämon gegeißelten Landes errichtet.

Nur mit Mühe und Not gelang es einst Damar und seinen Gefährten unter großen Verlusten mithilfe der Aelfen Magierin Ililiané aus dem Nebelreich das Monster in eine spezielle Schriftrolle zu bannen. Nun liegt sie, gebannt und versiegelt, Tag und Nacht behütet durch Steinerne Wächter, verborgen unter dem Reichsschloss. Bis heute.

Eine gefährliche Reise beginnt

Denn eines Tages steht Prinz Tymur, fünfter Sohn des Königreichs und Diplomat vor der Haustür des versoffenen, abgestürzten Fälschers Kevron, der einst mit seinem Bruder als Kevron Kaltnadel und Kai Kupferfinger zu den Besten seiner Gilde zählten. Doch Kevs glorreichen Tage sind lange vorbei. Umso erstaunter ist er, als er vom Prinzen aufgepeppelt und ins Vertrauen gezogen wird.

Von heute auf Morgen hängt die Zukunft des Reichs Neraval von ihm ab. Tymur will in die Fußstapfen seines bewunderten Ahnen treten und mit eigenen Gefährten die beschwerliche Reise ins Reich der Nebel anzutreten. Kevron ist der erste. Es folgen die arrogante Magierin Enidin und der einst Steinerne Wächter Lorkan.

Rezension I „Gefährliche Erbschaft“

Wir lesen die Geschichte immer Stückweise aus der Sicht der einzelnen Charaktere. Dabei geht Maja Ilisch gelungen auf den jeweiligen Blickwinkel des Charakters zu den jeweiligen Geschehnissen ein. Lorkans Text etwa vermittelt stets eine gewisse Ruhe, während angstbesetzte Situationen eher aus Kevrons Sicht erzählt werden. Jeder der Charaktere hat im Verlauf der Reise ins Ungewise eigene kleine und große Herausforderungen zu bestehen.

Die Motivationen mit denen die Gefährten mitreisen, sind genauso wechselhaf wie ihre Persönlichkeit. Zudem ist nicht für alle klar, was auf dem Spiel steht. Die Autorin schafft damit ein spannungsgeladenes zwischenmenschliches Verhältnis. Oft erscheinen mir diese Verwicklungen und Vertrauensspielchen zentraler, als der Weg der Reise an sich.

Der Fokus liegt für mich eindeutig auf den emotionalen Geschehnissen, statt auf den Abenteuern der Reise. Solche habe ich fast schon ein bisschen vermisst. Dieser Eindruck verschärfte sich gegen Ende. Atmosphärisch ist in diesen letzten Szenen die Stimmung durch den Text wirklich spürbar und das überraschende Ende grandios! Nur teilweise erschienen mir diese letzten Seiten des Kapitels ein wenig langgezogen. Es hat etwas zermürbendes an sich.

Die Gefährten

Die Reise besticht besonders durch die Einzigartigkeit der Charaktere. Sie sind allesamt eher Anti- Helden als Helden, aber genau das macht ihre Menschlichkeit aus. Es gibt für mich hier mehrere, doch keine völligen Sympathieträger. Meine Haltung zu dein einzelnen Gefährten ändert sich im Laufe der Reise.

Kevron ist mir die meiste Zeit über sympathisch und sein Schicksal kann ich am Besten mitfühlen, in ihm sehe ich das größte Potential. Außerdem mag ich seinen Humor. Lorkan ist zwar ein netter Kerl, aber mir oft zu anhänglich. Abgesehen von seinem Verhältnis zu dem Prinzen wirkt er oft eher leer, das ist schade. Und Enid wirkt auf mich zu gespalten, das hat mich sehr verwirrt und kein rundes Bild abgegeben. Als zielstrebige und selbstbewusste, leicht bissige Magierin steigt sie ein und verknallt sich sofort in den Prinzen. Sie wird zum „kleinen Mädchen“, blickt jedoch auf ihre Mitreisenden weiterhin hinab. Mir ist sie damit unsympathisch und ich hätte mir gerade von ihr, als einzigem weiblichen Charakter der Gruppe, etwas mehr Frauen Power und insbesondere Kevron gegenüber oft auch mehr Freundlichkeit gewünscht.

Am Geheimnisvollsten bleibt Prinz Tymur. Nicht nur ist er der einzige, aus dessen Sicht wir kein Kapitel zu Lesen bekommen, er steht auf bei den anderen oft zentral im Mittelpunkt. Alle Gefährten blicken im Schwerpunkt zu ihm. Er hält die Gruppe zusammen, seine Mittel sind fraglich. Er polarisiert meine Meinung am Meisten. Zu Beginn wirkt er sehr sympathisch, im fortlaufenden Buch kann ich immer weniger mit ihm anfangen, was vielleicht aber auch der beschwerlichkeit seiner Reise zu Schulden ist. Auf seine Weiterentwicklung bin ich am meisten gespannt!

Fazit

Für Fantasy-Liebhaber und Herr der Ringe Fans ein toller Einstieg in eine neue Welt.

Sprung ins Buch:

„Tausend Jahre, und niemand hatte die Schriftrolle auch nur angerührt.“

Mehr Probierhäppchen findest du in der Leseprobe!

© Rezension bei Miaslesezeilen

Darum von Team Mia

Zur Autorin Maja Ilisch

Maja Ilisch, geboren 1975 in Dortmund, arbeitet nach mehreren Stationen in Buchhandel, Verlags- und Bibliothekwesen heute als freie Autorin. Neben dem Schreiben betreibt sie das Fantasy-Autorenforum „Tintenzirkel„. Sie lebt mit ihrem Mann und mehr als zehntausend Büchern in einem alten Haus in der Nähe von Aachen. Mit dem ersten Band der Neraval-Sage legt sie ihr Hight-Fantasy-Debüt vor.“

Zum Buch

Autorin: Maja Ilisch # Verlag: Hobbit Presse vom Klett Cotta Verlag # Seiten: 483 # ISBN: 978-3-608-96030-3 # Erscheinungsjahr 2019 #

Hat dir meine Rezension zur Neraval Sage I „Das Gefälschte Siegel von Maja Ilisch“ gefallen? Dann lass mir gerne deine Meinung in den Kommis da – ich freue mich über jede Bücher – Plauderunde!